Im Februar 2004 waren Dr. Annie Sparrow and Olivier Bercault, beide Mitarbeiter von Human Rights Watch, im Tschad um sexuelle Übergriffe und die Sicherheitsvorkehrungen in den Flüchtlingslagern zu untersuchen. Dr. Sparrow ist Kinderärztin und bittet Kinder üblicherweise etwas zu zeichnen, während sie mit den Eltern spricht. So hielt sie es auch in Darfur, als Bercault and Sparrow mit den Eltern, Lehrern und Lagerleitern redeten. Ohne jede Anleitung zeichneten die Kinder ihre Kriegserlebnisse: die Angriffe der Dschandschawid, die Bombardements durch sudanesische Regierungstruppen, die Hinrichtungen und die Flucht in den Tschad.
„Ich hüte die Schafe im Wadi (Flussbett, Oase). Plötzlich sehe ich die Dschandschawid-Milizen kommen – sie sind schnell, auf Pferden und Kamelen und haben Kalaschnikows. Sie schreien: „Tötet die Sklaven, tötet die Schwarzen!“ Sie töteten viele Männer. Ich habe gesehen wie Leute zu Boden fielen und bluteten. Sie verfolgten die Kinder. Einige haben sie mitgenommen und wir sahen sie nie wieder. Auch alle unsere Tiere nahmen sie mit – Kamele, Kühe, Schafe und Ziegen. Dann kamen die Flugzeuge und bombardierten unser Dorf.“
Mohammed (8) konnte nicht selbst zeichnen. Er war nie in der Schule, kann nicht lesen oder schreiben. Diese Zeichnungen wurden von seinem Bruder und Cousin gemacht. Ganz leise flüsterte Mohammed: „Ich fürchte mich noch immer vor den Dschandschawid. Ich erinnere mich gut an die Gewehre und die Flugzeuge.“ Abschließend sagte er zu den MitarbeiterInnen von Human Rights Watch: „Ich möchte wieder nach Hause.“
„Da waren Soldaten aus dem Sudan, Dschandschawid, Flugzeuge und Bomben. Ich habe gesehen, wie die Dschandschawid-Milizen Mädchen und Frauen mitnahmen. Die Frauen haben geschrien. Sie haben die schönen Frauen verschleppt. Auch Mädchen, selbst kleine, ungefähr fünf, sieben und 14 Jahre alt. Einige kamen nach vier, fünf Stunden zurück. Andere haben wir nie wieder gesehen.“
Wie so viele Kinder, war auch Ala’ Augenzeuge der Kämpfe zwischen den Rebellen und den Dschandschawid-Milizen. Die Zeichnung zeigt wie ein Rebellenkämpfer zuerst in den Arm geschossen und dann durch Schüsse in den Unterleib hingerichtet wird. Ali, ein Lehrer im Flüchtlingslager, erklärte, dass Rebellen oft auf diese Weise getötet werden, um ihnen die Männlichkeit zu nehmen. „Die (Dschandschawid) wissen genau was sie tun. Da steckt Kalkül dahinter.”