Dschandschawid beinhaltet das Wort „dschinn”, was so viel bedeutet wie „Geist” und dschawad „Rennpferd”. Man könnte Dschandschawid also ungefähr mit „Geistreiter” oder „bösen Reitern” übersetzen. Diese Begriffe versinnbildlichen die überraschenden Angriffe dieser berittenen Milizen, die meist in der Nacht Verwüstung und Tod bringen. Die Dschandschawid sind in der Krisenregion Darfur für unzählige Menschenrechtsverletzungen, sowie für den Tod von mehr als 200.000 Menschen (Schätzungen geben zum Teil deutlich höhere Opferzahlen an) verantwortlich. Die Dschandschawid sind arabische Reitermilizen, die schon 1980 mit ihren Operationen in Darfur begannen und die nun von der Regierung in Khartum unterstützt werden. Es scheint, dass der Großteil der Dschandschawid sich aus den Baggara rekrutiert.
Die Reitermilizen überfallen Dörfer der schwarzafrikanischen Landbevölkerung. Sie vergifteten Brunnen, stehlen den Bauern das Vieh und vertreiben die Einheimischen von ihrem Land und nehmen ihre Habe in Besitz, anschließend stecken sie die Dörfer in Brand. Innerhalb von 20 Monaten wurden mehr als 400 Dörfer niedergebrannt und dem Erdboden gleichgemacht. Weite Teile Darfurs sind durch den Krieg verwüstet und menschenleer.
Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch berichten übereinstimmend mit Augenzeugenaussagen von Vergewaltigungen, Verschleppungen, Folter, Exekutionen und Massenexekutionen.
Die Dschandschawid machen nicht vor Ländergrenzen halt, sie verfolgen die Flüchtlinge bis in die Flüchtlingslager im angrenzenden Tschad. Ebenso sind Überfälle auf Flüchtlingslager und Hilfskonvois bekannt, bei denen ausländische Mitarbeiter von bekannten Hilfsorganisationen misshandelt, vergewaltigt oder getötet wurden.
Den Reitermilizen wird zudem die Unterstützung von anderen Rebellenorganisationen im Tschad angelastet. Im Tschad finden seit einigen Monaten ähnlich systematische Vertreibungen und Ermordungen der unbewaffneten Landbevölkerung statt.
Die Angriffe der Dschandschawid werden mit den Truppen der Regierung koordiniert, was jedoch bis heute von der Regierung in Khartum bestritten wird. Den Überfällen auf Dörfer gehen oftmals Luftbombardements der sudanesischen Armee voraus. Augenzeugen berichten außerdem von Hilfslieferungen der Regierung an die Dschandschawid-Miliz; eingeschlossen sind hierbei Waffen, Munition, Briefe und Nahrungsmittellieferungen. Mittlerweile tragen die Dschandschawid auch die gleiche Uniform wie die offiziellen Soldaten, die nur durch ein Abzeichen auf der Brust
voneinander zu unterscheiden sind. Teilweise benutzen die Dschandschawid sogar die gleichen Waffen.